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venerdì 5 febbraio 2016

About Peter Trawny: "THE SITUATION IS INTOLERABLE" (plus a quite interesting and balanced text by Prof. Dr. Friedrich-Wilhelm von Herrmann about the Schwarze Hefte etc.)




http://reflexionesmarginales.com/3.0/la-situacion-es-insoportable/
29 nov 2015


[DOCUMENT:
BOOK REVIEWS

META: RESEARCH IN HERMENEUTICS, PHENOMENOLOGY, AND PRACTICAL PHILOSOPHY
VOL. VI, NO. 2 / DECEMBER 2014: 637-638 ISSN 2067-3655, www.metajournal.org

Kein systematischer Baustein des Denkens –
philosophisch belanglos
Friedrich-Wilhelm von Herrmann
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Title: No systematic element of thought – philosophically irrelevant
Keywords: Heidegger, Black Notebooks, history of Being, Antisemitism


Als philosophischer Hauptmitarbeiter an der
Gesamtausgabe und als einstiger Privatassistent Martin
Heideggers in dessen letzten Lebensjahren gebe ich eine
knappe korrigierende Stellungnahme ab zu der
Manuskriptengruppe der sog. „Schwarzen Hefte“ oder
„Arbeitshefte“.
Der jetzige Herausgeber der „Schwarzen Hefte“ wurde
von mir lediglich als Text-Editor nicht aber als Text-Interpret
empfohlen. Von seinen international vorgetragenen
Auslegungsversuchen, die mich ihrer inneren Unwahrheit
wegen tief enttäuscht haben, muß ich mich um des Denkens
Martin Heideggers und der Wahrheit willen strikt distanzieren.
Die „Schwarzen Hefte“ begleiten lediglich das um
1930/31 einsetzende Seins- oder Ereignisgeschichtliche Denken
Heideggers, d. h. den zweiten Ausarbeitungsweg der
Seinsfrage. Sie haben daher einen rein philosophischen Inhalt,
sind aber den großen Arbeiten des seinsgeschichtlichen
Denkens neben- und nachgeordnet. Deshalb ist der
philosophische Gehalt ihrer immer wieder neu einsetzenden
Aufzeichnungen nur aus den grundlegenden Zusammenhängen
der gleichzeitig verfaßten Abhandlungen nachzuvollziehen.
Die im Verhältnis zu den 34 Heften ganz wenigen, in
keinem größeren Kontext stehenden Textstellen, die sich auf
das Judentum beziehen, sind philosophisch für das Denken
Heideggers völlig belanglos und somit überflüssig. Vor allem
bilden sie keinen gedanklich-systematischen Baustein des
Seinsgeschichtlichen Denkens. Das bezeugen alle gleichzeitig
verfaßten Vorlesungen, Vorträge und Abhandlungsmanuskripte,
die nichts Antisemitisches enthalten.
Das Judentum und dessen alte und große Geschichte
gehört für Heidegger nicht in die Geschichte des Seins, die nur
das abendländische Denken von den Frühen Griechen bis zu
Hegel und Nietzsche und die neuzeitlich-gegenwärtige
Wissenschaft und moderne Technik umfaßt, welche letztere für
Heidegger charakterisiert sind durch das „rechnende Denken“,
in dem Martin Heideggers Denken eine große Gefahr für die
Menschheit sieht.
Der vom Herausgeber unscharf und mißverständlich
geprägte Begriff des „seinsgeschichtlichen Antisemitismus“ in
bezug auf die wenigen Sätze über die Juden, führt zu der
unheilvollen Verwirrung, daß das seinsgeschichtliche Denken
als solches antisemitisch sei.
Heidegger hat auch nicht „eine Zeitlang so gedacht“, wie
der Herausgeber formuliert, nämlich so wie in den auf das
Judentum bezogenen Sätzen. Wenn man derartig pauschal
formuliert, meint der Leser und Hörer, Martin Heidegger habe
in der Zeit dieser Sätze auch in seinen philosophischen
Abhandlungen ‘so’, also antisemitisch gedacht, was völlig
unsinnig ist. Daß das seinsgeschichtliche Denken in seinem
inneren Gefüge und Aufbau überhaupt nichts von einer
antijüdischen Haltung einschließt, bezeugen die sieben großen
seinsgeschichtlichen Abhandlungen von 1936 bis 1944, die mit
den Beiträgen zur Philosophie beginnen und mit den Stegen des
Anfangs enden.

Address:
Prof. Dr. Friedrich-Wilhelm von Herrmann
Philosophisches Seminar
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Platz der Universität 3
79085 Freiburg i.Br., Deutschland
E-mail: friedrich-wilhelm.von.herrmann@sonne.uni-freiburg.de]

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